Geschichte

Universitätsgottesdienste in Leipzig gibt es schon seit Gründung der zweitältesten Universität Deutschlands im Jahr 1409. Regelmäßig an allen Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres seit 1710 findet sich die Universitätsgemeinde zusammen. Der Gottesdienst richtet sich an alle Universitätsangehörigen und an Gäste, er wird als evangelisch-lutherischer Gottesdienst gefeiert. Luther selbst weihte die ehemalige Klosterkirche der Dominikaner – im Volksmund nach den Paulinermönchen gern Paulinerkirche genannt – am 12. August 1545 zur evangelischen Universitätskirche St. Pauli ein. Dazu erhielt die Universität den gesamten Klosterkomplex zur Nutzung übereignet. Haß und Gottesverachtung vermochte unter kommunistischer Diktatur nur ein Ziel zu erkennen: Zerstörung der wertvollen spätgotischen Kirche, vor allem Vernichtung des Gottesdienstes an der damaligen „Karl-Marx-Universität“, dazu Marginalisierung des Universitätschores und der Tätigkeit des Universitätsorganisten. Die Kirche wurde gesprengt, der Gottesdienst überlebte – im kommenden Jahr kehrt er nach reichlich 45 Jahren an den Ort zurück, wo er hingehört, mitten in das Herz der Universität Leipzig.

Universitätsprediger sind die ordinierten Professoren und wissenschaftliche Mitarbeitende der Theologischen Fakultät. Seit etwa 1830 werden eigens zwei Universitätsprediger gewählt und berufen. Der Erste Universitätsprediger trägt die Verantwortung für den Gottesdienst und die organisatorischen Belange. Er wird vom Landesbischof der sächsischen Landeskirche berufen.

Universitätsvespern gibt es seit fast 15 Jahren, immer mittwochs im Chorraum der Thomaskirche während des Semesters. Dort am Paulineraltar, dem geretteten wertvollen Wandelaltar der Universitätskirche, versammeln sich Studierende, Lehrende und Gäste mitten in der Arbeitswoche, 18 Uhr. Orgel- oder Vokalmusik, Psalmgebet, Segen, aber vor allem eine Kurzansprache einer Wissenschaftlerin/eines Wissenschaftlers zu einem aktuellen Thema des betreffenden Faches bieten ein Forum für sachliche und persönliche Kontakte inmitten der großen Universität und ihrer wissenschaftlichen Vielfalt.

letzte Änderung: 11.07.2016
Bronzemodell der ehemaligen Kirche St. Pauli